Unser Tagebuch 
zu den Netdays 2000


Planungsphase:

Vor den Sommerferien 2000 steht fest: wir nehmen wieder an den Netdays 2000 teil !!

Nachdem eine Welle des Hasses, der Intoleranz und des Radikalismus über unser Land kommt, steht für uns fest: " Wir wollen etwas gegen Ausländerhass, Rassismus und Gewalt gegen Ausländer und Fremde tun! "

Diesmal soll es ein Multimediaprojekt werden – wir wollen Bild und Ton mit den Kindern in einer  Geschichte zusammenbringen.

 Uns erscheint das engagierte Buch "Der Rabe der Anders war" von Edith Schreiber Wicke und Carola Holland für dieses brandaktuelle Thema hervorragend geeignet.


Hier die fleißigen Akteure der Klasse 4b. 

Start klar! - Die Vorbereitungen zu den Netdays 2000 laufen an:

Wir beginnen am Anfang der landesweiten Grundschulwoche, die vom 18. 09. bis zum 22. 09. 2000  in unserer Schule unter dem Thema: "Vielfalt SPRACHE" stattfindet. Als Einstieg in die Literaturarbeit dient uns eine selbst angefertigte Dia-Show des Buches, auf welches sich die Klasse schon lange freut. Wir lesen gemeinsam das Buch vom Raben der Anders war. Lange Zeit erörtern wir, was es heißt, anders-zu-sein und fertigen dazu ein Cluster an.

Da es an unserer Schule nur einen geringen Anteil von ausländischen Schülern gibt und auch das schulische Umfeld nur wenige Berührungspunkte mit "fremdländischen" Kulturen bietet, ordnen die Kinder dem Thema Anders Sein stärker soziale Unterschiede und äußerliche Auffälligkeiten zu. 
Schnell wird ihnen aber auch klar, dass wir überall auf der Welt, wo wir Urlaub machen, ebenfalls "anders" sind - oder eben "Fremde". 

Einundzwanzig unterschiedliche Steckbriefe belegen deutlich, dass jedes Kind anders ist !


19.09.00

Planung der Erstellung des Kartontheaters

Gemeinsam planen wir, den Inhalt des Bilderbuches "Der Rabe der Anders war" als Kartontheater mit verschiedenen Szenen darzustellen. Die Handlung und die wunderschönen Bilder des Buches werden auf verschiedene Szenen verteilt,  und die Schülerinnen und Schüler finden sich in entsprechenden Arbeits-Gruppen zusammen.

Die Kinder überlegen selbstständig, welche Figuren und Gegenstände gebastelt werden müssen und fertigen dementsprechend Material-Listen an.

20.09.00

Gianni ist für den Karton zuständig, aus dem unser Theater hergestellt werden soll. Unser Theater wird gelb !!

Nachdem jede Gruppe ein kleines Drehbuch für ihre Szene geschrieben hat, kann das große Basteln und Malen beginnen.

So ist jede einzelne Gruppe für ihre Szene verantwortlich. Hilfe ist dann gefragt, wenn es z.B. um das Einhalten von Maßstäben geht: wie passt das Bild in unser Theater? Sind die Raben groß genug ? Wie groß darf der Ast werden? Wie kann man den Maschendrahtzaun befestigen ? .....

Die Kinder sind sehr kreativ und emsig bei ihrer Arbeit.

21.09.00 - 23.09.00

Schließlich wird mit der digitalen Kamera ausprobiert, ob die Farben der einzelnen Figuren und Bilder auch zu Geltung kommen. Durch die unmittelbare Ansicht auf dem kleinen Monitor der Kamera können die Kinder gut erkennen, dass sie mit den Farben für den bunten Raben nicht so sparsam sein dürfen.

Nach und nach nehmen die Szenenbilder Gestalt an. Erste Gruppen können zur Tat schreiten und nach einer  kurzen Einführung in die Handhabung der digitalen Kamera der Schule ihre gebastelte Kartontheater – Szene fotografieren.

 
Problematisch ist die Beleuchtung. Alle Gruppen haben gegen Schattenbilder zu kämpfen, da wir nur mit einer Video - Leuchte arbeiten.

So sieht es noch nicht gut aus ...

... so geht's schon besser....

... und so sind wir schon fast zufrieden.

Für jedes Kind ist es ein tolles Erlebnis, das soeben "geschossene" Foto sofort auf dem Monitor betrachten und beurteilen zu können.

So ergibt sich die Möglichkeit, Figuren oder Positionen umgehend anders aufzubauen, die Beleuchtung zu verändern oder einen anderen Kamerastandpunkt zu wählen.

Erst, wenn alle Gruppenmitglieder mit dem Ergebnis (dem Foto) zufrieden sind, kann die nächste Crew das Kartontheater für ihre Szenen umbauen.

Die schnelle Umsetzung der digitalen Fotografie und die selbstständige Arbeit mit der digitalen Kamera hat alle Kinder fasziniert. So werden alle Szenen nach und nach in den Karton eingebaut und fotografiert. Eine gute Etappe ist geschafft !!
25.09.00

Zuerst schreiben die Kinder.....

Zu den gebastelten und fotografierten Szenen sollen die Kinder die Geschichte vom Raben der anders war in verteilten Rollen sprechen.

Da wir in diesem Jahr durch verschiedene Spenden neben den zwei PC´s im Klassenraum auch einen Medienraum ausstatten konnten, stehen ausreichend Schreibplätze zur Verfügung.

Jedes Kind schreibt seine Textpassage heraus und übt diese zu lesen. Ein Stimmengewirr begleitet die Arbeit in der Klasse.

...dann müssen sie ihre Texte aufnehmen.

Jede Gruppe studiert ihre Szenen ein. Der gute alte Klassenkassettenrecorder hilft bei der Sprechprobe der Szenen. Die Schülerinnen und Schüler der 4b nutzen diese Gelegenheit zur Selbstkontrolle.
26.09.00 

Jetzt wird es ernst: wir nehmen die Texte der Kinder mit dem "großen" Mikrofon auf!
Volle Konzentration - trotz aller Nervosität!
Anschließend bearbeiten wir in Goldwave die Aufnahmen, so gut es uns gelingt (denn dies Programm haben wir auch ganz neu kennen gelernt!)
 Es ist spannend die eigene Stimme am PC zu hören und zu sehen !

 

               

   
Wichtig ist uns dabei, dass jedes Kind die Gelegenheit bekommt, seinen Text vorzutragen und aufzunehmen, - auch wenn dies nicht immer so ganz perfekt gelingt !!! 
(Es soll ja eine Gemeinschaftsarbeit sein!)

27.09.00 - 29.09.00

Die letzten Tonaufnahmen werden erledigt.

Die Kinder singen gemeinsam das Lied: 
"Jedes Kind ist anders"
(Was später bei der Verknüpfung von Ton und Bild auf uns zukommen soll, ahnen wir hier noch nicht.)


Eine Schreibwerkstatt zum Thema Anders - Sein
  

Nach den vielen künstlerischen Schritten des Projektes, haben die Kinder der 4b nun die Gelegenheit an verschiedenen Schreibstationen Meinungen, Gefühle, eigene Ideen, Geschichten und Gedichte zum Thema Anders - Sein zu schreiben.

Fleißig werden Elfchen und Anagramme erfunden. Geschichten zu Fotos, Überschriften und Wörtern aus dem Wortschatzkästchen entstehen.

Die meisten Texte werden erst mit der Hand vorgeschrieben und schließlich von den Kindern  in den PC eingegeben und dann überarbeitet .
Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Motivationscharakter das Schreiben am PC hat. Viele gute Texte zum Thema Anders-Sein entstehen. Aus Platzgründen können wir aber leider nicht alle hier wiedergeben.

Abschließend schreiben die Kinder ihre Emotionen zu provokanten Äußerungen des Themas in einem stummen Schreibgespräch auf große Plakatpappe nieder.

Nun zu unseren Problemen während der Woche:

"Was wir nicht ahnten ......"     oder :  "Wie es uns "kalt" erwischte" !

Eine Grundschule versucht, ein Multimedia-Projekt mit Mediator 5 ins Internet zu bekommen......

Nachdem wir uns mit den Kindern während der landesweiten Grundschulwoche, die ungünstigerweise direkt vor der Netdays-Woche lag, in das Programm Mediator 5 eingearbeitet und für den Präsentationstag, den 23.09.2000, eine Dia-Slide-Show erstellt hatten, die prima lief und unsere Eltern begeisterte (sahen sie doch ihre Kinder bei der Arbeit während der Projektwoche)  waren wir sicher, dass, nachdem wir diese Diashow auch als  e-mail versandt und so getestet hatten, es kein Problem sein könne, ein Projekt mit den Kindern gemeinsam ins Internet zu stellen (was ja auch die Werbung von Mediator verspricht!).
Aber, - weit gefehlt!!!  Selbst nach stundenlangen "online-Telefonaten" (während der beiden ersten Tage der Netdays-Woche)  mit der sehr freundlichen Hotline der Firma Matchware, downloaden eines Plugins, Übertragen vieler HTML-Tags  einer Matchware-Site aus dem Internet und Einbringen in den Quellcode unserer Projekt-Seite sowie vielen zeitraubenden anderen Versuchen gelang es uns absolut nicht, Bild und Ton - so wie in der Präsentation auf dem lokalen PC ablaufend - ins Internet zu bekommen. Wir waren alle total verzweifelt.  Nun war guter Rat teuer!!!
Der unser Projekt mitbegleitende Vater hatte schließlich den Einfall, das Ganze doch mit Flash zu versuchen. Wir also zum Buchhandel, ein dickes Handbuch über Flash gekauft und studiert, und studiert, und probiert, und probiert.
Schließlich hatten wir den Dreh raus, die Bilder auf einer Zeitleiste so lange stehen zu haben, wie die dazu gehörende Tonaufnahme der Kinder dauerte.  In mühsamer, von vielen Fehlern und Fehlversuchen begleiteter, bis in die Nächte andauernder Arbeit gelang es uns schließlich,  die ganze Geschichte in Flash zu erstellen; es war Freitagabend, 29.09.00, gegen 23.oo Uhr - und dann geschah das Unfassbare: "unser Computer hängte sich auf", und die ganze Arbeit der Kinder -  durch Flash multimedial gebündelt -  war unwiederbringlich verloren !!!
An dieser Stelle waren wir an der Schwelle angekommen, alles hinzuschmeißen und aufzuhören. Doch die innere Stimme, die uns immer wieder daran erinnerte, die Kinder haben doch mehr als eine Woche für dieses Projekt und an diesem Projekt gearbeitet, das kann und darf doch nicht umsonst gewesen sein!!!  - siegte über unsere Frustration und Müdigkeit. Wir erstellten das ganze Multimedia-Projekt mit allen Dateien der Kinder, die glücklicherweise zweitgesichert waren,  erneut vom Anfang bis zum Ende und "schoben" es auf den Server!

Völlig erschöpft und total übermüdet verließen wir in der Nacht vom Freitag, dem 29.09.00,  auf den Samstag, den 30.09.00 - Abgabetag für den Netdays-Wettbewerb -  gegen 5 Uhr morgens die Schule, - im tiefsten Inneren doch glücklich, dass wir dies Projekt gegen alle frustrierenden Widerstände dennoch zu Ende gebracht hatten.

 

Zu unserem Projekt kam auch bereits eine e-mail aus dem Ausland:

Betreff:  Rabe
Datum:
  Tue, 10 Oct 2000 10:20:02 +0200
Von:  "Nahit Haxhiveseli" <naja@dardania.com>

An:  <GGSClarenbach@t-online.de>

Hallo ihr "Raben"!
Gruesse aus Kosova. Wir sind Familie Haxhiveseli, Freunde von Gideon und
Jonas Friedrich.
Arina und Rea sind begeistert von den Raben.
Viel Spass und Freude in die zukunftige Projekte.

Arina und Rea Haxhiveseli.

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